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Sciences des sociétés, des cultures et des religions

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Religionswissenschaft

Religionswissenschaft

Was ist Religionswissenschaft
Die Religionswissenschaft entstand im Europa des 19. Jahrhunderts aus dem Interesse an der Religionsgeschichte einerseits und den aussereuropäischen Religionen andererseits. Unabhängig von theologischen Positionen und Bewertungen wollte die Forschung mit Hilfe verschiedener Sprachwissenschaften, der Archäologie und der historischen Soziologie objektiv die historische Basis und die Ideen der verschiedenen Religionen erfassen. Zu Beginn stand dabei häufig die Frage nach der einen Wahrheit, dem „Wesen“ und dem gemeinsamen Ursprung aller Religionen im Zentrum. Diese „phänomenologische“ Perspektive, die meist zu sehr vereinfachenden Sichtweisen fremder Religionen geführt hat, ist dem kulturwissenschaftlichen Ansatz gewichen, der stärker die speziellen Eigenarten der Religionen in ihrem jeweiligen historischen, sozialen und kulturellen Zusammenhang würdigt. Gegenstand der Religionswissenschaft ist „die Art und Weise, wie von Religionen ‚Wirklichkeit’ konstruiert und gedeutet wird, welche Schemata und Gesamtmuster erkennbar sind, welche Vergesellschaftungsformen und Normen entworfen werden, welche Verbindlichkeit diese haben, welche Emotionen erzeugt oder kanalisiert werden …“ (B. Gladigow).
Zahlreiche Subdisziplinen innerhalb der Religionswissenschaft und anderer Fächer befassen sich daher mit besonderen Aspekten der Religionsforschung:


•    Religionssoziologie
•    Religionsethnologie & Anthropologie
•    Religionspsychologie
•    Religionsgeografie (Religionen in ihrer Umwelt)
•    Religionsökonomie (wirtschaftliche Aspekte der Religionen)
•    Religionsästhetik („sinnliche“ Dimensionen der Religionen)
•    Religionsgeschichte (historische Entwicklung)

 

Konzentrierte sich die Religionswissenschaft bis vor kurzem hauptsächlich auf aussereuropäische und historische Religionen, so hat sich in den vergangenen Jahren auch die soziologisch-empirische und gegenwartsorientierte Erforschung der Religionen in Europa etabliert.

 

Religionswissenschaft in der modernen Gesellschaft

Für die Geschichte und Gegenwart europäischer Gesellschaften haben die Religionen eine zentrale Bedeutung. Sie prägen die Politik, die Kunst und Kultur, sie verleihen Wertorientierungen, Lebenssinn und Identität. Damit spielen Religionen eine Schlüsselrolle für die Möglichkeiten und Grenzen menschlichen Zusammenlebens – dies betrifft das Individuum wie auch die Interaktion gesellschaftlicher Gruppen, Nationen oder das Verhältnis von Männern und Frauen, verschiedener Ethnien und sozialer Milieus.

So, wie sich Gesellschaften im Laufe der Zeit verändern, so unterliegen auch die Religionen und deren Rolle in der Gesellschaft gewissen Wandlungen. Durch Migration einerseits und religiöser Neuorientierungen andererseits ist das religiöse Feld in Europa in den vergangenen Jahrzehnten vielgestaltiger geworden. Gleichzeitig finden religiöse Versatzstücke vermehrt Eingang in den weiteren Bereich der Lebensgestaltung (Wellness / Gesundheit) und in die Populärkultur (Unterhaltungsromane, Werbung, Kinofilme).

Es besteht daher ein großer gesellschaftlicher Bedarf an interkultureller Übersetzung sowie neutralen Expertinnen und Experten mit Kompetenzen für verschiedene religiöse Traditionen, der an der grossen Präsenz des Themas Religion in der Politik, den Medien, der Publizistik und der Populärkultur ablesbar ist.

 

Religionswissenschaft in Freiburg

Das Seminar für Religionswissenschaft an der Universität Freiburg ist spezialisiert auf die Vielfalt der Religionen in Europa und eine gegenwartsorientierte, soziologische Zugangsweise zur Erforschung dieses religiösen Pluralismus.

Im Bachelor werden zunächst Grundlagen aller „großen“ religiösen Traditionen (Judentum, Christentum, Islam, Buddhismus, Hindu-Religionen) und vieler „kleiner“ Religionen vermittelt. Dies umfasst die Religionsgeschichte und Kenntnisse über religiöse Schriften und Vorstellungen, als auch Aspekte der religiösen Praxis und Rituale. Im Vordergrund steht dabei, wie sich das religiöse Leben der „großen“ und „kleinen“ Religionsgemeinschaften hier und jetzt in der Schweiz und in Europa gestaltet. Dies betrifft neben Kenntnissen über die Religionen selbst auch rechtliche, politische und wirtschaftliche Fragen, wie auch die Darstellung von Religionen in den Medien (Zeitungen, Fernsehen, Internet etc.).

Schwerpunkte in der Forschung und Lehre der Freiburger Religionswissenschaft sind neben allgemeinen religionssoziologischen Fragestellungen der Bereich Religion, Politik, Recht und Bildung; der Islam in der Schweiz (Forschungsgruppe GRIS); neue religiöse und weltanschauliche Bewegungen und Gemeinschaften (New Age, Bhagwan-Bewegung, Scientology etc.) und das Verhältnis von Religion und Medien. Das Seminar für Religionswissenschaft unterhält eine umfangreiche Dokumentationsstelle über neue religiöse Bewegungen. Den Studierenden stehen auch zahlreiche Lehrveranstaltungen kooperierender Disziplinenen der philosophischen Fakultät (v.a. Zeitgeschichte und Sozialanthropologie), des Instituts für Religionsrecht und der theologischen Fakultät zur Verfügung.

Neben allgemeinen wissenschaftlichen Recherche- und Darstellungstechniken werden im Studium Methoden der so genannten rezeptionsgeschichtlichen Forschung und der empirischen Sozialforschung erlernt. Dies umfasst Erhebungsmethoden (Interview, Umfrage, Beobachtung) wie auch Auswertungstechniken (Interpretation / Inhaltsanalyse). Audio-Aufzeichnungsgeräte und eine digitale Videokamera stehen den Hauptfachstudierenden für konkrete Forschungsprojekte zur Verfügung. Exkursionen zu den Religionsgemeinschaften und zu speziellen religiösen Festen sind Bestandteil vieler Lehrveranstaltungen, die die „Schwellenangst“ in der Begegnung mit fremden Religionen abbauen sollen.