Fundgrube

 

Das Glaid vom Doris do am Gotthardtunnelfescht
wirft scho no Frooge uff bi allne gladne Gäscht.
Denn vor der Bahnfahrt mit em Hollande und em Renzi
syg dä bundesrötlig Lumpe schynts no ganz gsi.

 

Quelle: Schnitzelbank der Gasladärne, abgedruckt in der Luzerner Zeitung (8.3.2017), URL: www.luzernerzeitung.ch/importe/fupep/neue_lz/lz_schauplatz/Das-Stroo-wo-uff-dr-Biire-isch-het-er-au-im-Kopf;art171402,983194

 

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Z Blatter Seppji het der greescht wohltätig Verein va der Wält gigründet.

[... und zum Bild von Christian Constantin:] Fräg doch emal is hiä, äs gwinnt sogar Füässballspiil vor Gricht.


Quelle: Fussen, Martin: America First, Wallis Zweite.

URL: https://www.youtube.com/watch?time_continue=127&v=yY0SlgXBVcc (12.2.17)

"Das Anna und ihr Hund" – Weibliche Rufnamen im Neutrum

Soziopragmatische vs. semantische Genuszuweisung in Dialekten des Deutschen und Luxemburgischen

 

 

 

 

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In deutschen und luxemburgischen Dialekten kommt es bei der Referenz auf Mädchen und Frauen zu Genus-Sexus-Inkongruenzen, indem weibliche Rufnamen häufig ins Neutrum treten (das Anna), in manchen Dialekten ausschliesslich, in anderen mit einem Femininum daneben (die Anna). Ziel dieses Projekts ist 1. eine Bestandsaufnahme des basisdialektalen Neutrumareals. Mittels eines Fragebogens sollen in ganz Deutschland, Luxemburg und der Deutschschweiz der Definitartikel und das anaphorische Personalpronomen mit Bezug auf weibliche und männliche Personen mit unterschiedlichen Namen abgefragt werden, denn es gibt durchaus Dialekte, in denen zwar der Artikel sexuskongruent feminin ist, aber das Pronomen neutral oder umgekehrt (Typ die Anna/es; das Anna/sie). In manchen Schweizer Dialekten können auch Männernamen ins Neutrum treten. Manchmal bricht die Kongruenz auch beim Possessivpronomen oder einem anderen Genusträger um (das Anna und ihr Hund). Solche Feinanalysen sind jedoch dem qualitativen zweiten Untersuchungsteil vorbehalten: Im trinationalen Areal werden an über dreissig Orten drei Generationen mit unterschiedlichen Erhebungsmethoden auf Personenreferenzen hin (Ruf-, Familien- und auch Verwandtschaftsnamen, Appellative) befragt. Bei der mittleren Generation wird zudem "mobil" gegen "ortsfest" differenziert, um den Einfluss sozialer Faktoren auf den Genusgebrauch ermitteln zu können. Durch die Berücksichtigung von drei Generationen soll eine diachrone Vertiefung erzielt werden und der Ursprung dieser Neutra rekonstruiert werden. Vor allem soll die genaue Qualität der Genuszuweisung ermittelt werden, die ersten Untersuchungen zufolge von Eigenschaften der Referentin bzw. der sozialen Relation Sprecher/in – Referent/in abhängt. Allem Anschein nach handelt es sich um soziopragmatische Genuszuweisungen, die von der Genusforschung bislang kaum erfasst wurden, aber für die Genusdiskussion von grosser Bedeutung sein werden. Die besondere zeitliche Dringlichkeit dieses Projekts erwächst aus dem Umstand, dass die jüngere Generation diese Namenneutra vielleicht noch kennt, aber kaum mehr benutzt

 

Trinationales Forschungsprojekt, unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Lead Agency), dem Fonds National de la Recherche Luxembourg und dem Schweizerischen Nationalfonds.

 

Laufzeit: 1. August 2015 – 31. Juli 2018