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Kleiner Sprachatlas der deutschen Schweiz

Helen Christen (Universität Freiburg) und Elvira Glaser (Universität Zürich), 01.04.2008-01.08.2012

 

 

 

Die Datengrundlage

Der Dialekt als räumlich gebundene Sprachform hat in der Schweiz – seit es einen wissenschaftlichen Umgang mit Sprache gibt – grosses Forschungsinteresse gefunden und er ist für den deutschschweizerischen Sprachraum denn auch breit dokumentiert und durch zahlreiche wissenschaftliche Publikationen vorbildlich aufgearbeitet. Das achtbändige sprachgeografische Grundlagenwerk Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS) ist mit dem Registerband 2003 abgeschlossen worden und steht heute als Referenzgrösse für unterschiedlichste dialektologische Fragestellungen in den Bereichen Laut- und Formenlehre und Wortschatz zur Verfügung. Dieses umfangreiche Werk wurde in der Mitte des letzten Jahrhunderts konzipiert und realisiert und kann auf seinen 1548 Karten den Sprachstand einer älteren, bodenständigen Sprecherschicht festhalten. In absehbarer Zeit wird der SDS um den an der Universität Zürich im Entstehen begriffenen Syntaktischen Atlas der deutschen Schweiz (SADS) ergänzt, der die lokale Komponente der bisher nur am Rande berücksichtigten Syntax dokumentieren und somit die sprachgeographische Datenlage zur Deutschschweiz vervollständigen wird. Für Fragen des Wortschatzes steht das in der Abschlussphase befindliche, international renommierte Schweizerdeutsche Wörterbuch (Idiotikon) der Fachwelt zur Verfügung.

 

Das Alltagsinteresse an sprachgeographischen Daten

 

Dass ein Alltagsinteresse an Sprache besteht, belegen nicht nur die Verkaufszahlen populärwissenschaftlicher Bücher, die sich einschlägiger Themen annehmen. Auch linguistische Nachschlagewerke, wie etwa der in 14. Auflage erschienene dtv-Atlas Deutsche Sprache (München 2004) oder der in 4. Auflage erschienene dtv-Atlas Namenkunde (München 2003) finden ein zahlreiches Publikum. Binnen Kürze war auch die erste Auflage von 10'000 Exemplaren des neuen Kleinen Bayerischen Sprachatlas (München 2006) verkauft, der ein begrenztes Dialektgebiet in den Blick nimmt. Das Interesse am Dialekt, das sich in den hohen Absatzzahlen dieses Buches manifestiert, besteht ohne jeden Zweifel auch in der Deutschschweiz. Gerade die Alltagspräsenz des Dialekts mit der Praxis, dass in der Deutschschweiz die Sprechenden ihren je eigenen Dialekt gebrauchen, machen die dialektalen Unterschiede zu einem besonders gerne verhandelten Gesprächsgegenstand. An solchen sprachlichen Unterschieden werden oft (auch) die gängigen Stereotypen festgemacht, die die Bewohnerinnen und Bewohner der ausgeprägt föderativ organisierten und wahrgenommenen Schweiz charakterisieren sollen. Dass das Wissen um die dialektale Vielfalt überdies für elementar und vermittlungswürdig gehalten wird, zeigt sich an einschlägigen Kapiteln in Schweizer Lehrmitteln, die für die Volkschule konzipiert sind.

 

Der Nutzen eines Kleinen Sprachatlas der deutschen Schweiz

Die Karten, wie sie der SDS zur Verfügung stellt, sind für ein Fachpublikum konzipiert. Nicht nur die Auswahl und Kommentierung der Karten, sondern auch deren graphische Aufbereitung ist auf wissenschaftliche Nutzung ausgerichtet. Überdies sind dialektologisch noch so Interessierte kaum gewillt, über tausend Franken auszulegen, um die eine oder andere Karte konsultieren zu können. In einem populären Sprachatlas für die Deutschschweiz soll nun eine Auswahl von ungefähr hundertfünfzig Karten so aufbereitet werden, dass sie für linguistische Laien verständlich sind. Das bedeutet Reduktion auf die interessanten Phänomene und kartographisch vereinfachte und moderne Umsetzung. Nach dem Vorbild des Kleinen Bayerischen Sprachatlas sind dazu Erläuterungen zur Geschichte und Herkunft der behandelten sprachlichen Besonderheiten vorgesehen.

Insgesamt spricht Folgendes für eine solche Popularisierung der Ergebnisse aus den genannten wissenschaftlichen Forschungsprojekten zum Schweizerdeutschen:

  • Der Atlas dokumentiert und interpretiert (altes und neues) Deutschschweizer Kulturgut und erfüllt damit quasi die pädagogische Aufgabe eines Museums.
  • Der Atlas ist bewusstseinsbildend und führt breiten Bevölkerungskreisen die identitätsstiftende Funktion der Sprache vor Augen.
  • Der Atlas gibt dem Volk in angemessener und finanziell erschwinglicher Form zurück, was vorgängig mit seinen Steuergeldern über lange Jahre der Wissenschaftsförderung durch den Schweizerischen Nationalfonds finanziert wurde.
  • Der Atlas macht breiten Kreisen den Nutzen Geisteswissenschaftlicher Grundlagenforschung deutlich.