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partie centrale qui "pousse"

Sprache und Verwandtschaft

01.04.1999-31.03.2003, unterstützt vom Schweizerischen Nationalfonds

 

 

Beschreibung

Verwandtschaftsbeziehungen und Verwandtschaftsbezeichnungen waren und sind für verschiedene sozialwissenschaftliche Disziplinen von Interesse: anthropologische und ethnologische Forschungen können mit der Aufdeckung von Verwandtschaftssystemen soziale Organisationsformen klären, philologische Forschungen ermitteln am Beispiel der Verwandtschaftstermini, wie bestimmte Lebensbereiche versprachlicht werden und wie menschliche Symbolsysteme strukturiert sind.
Das geplante Forschungsvorhaben ist im Bereich der Sprachwissenschaft angesiedelt und kann von einer grossen Zahl bereits geleisteter Arbeiten profitieren, die einerseits historische Dimensionen der Verwandtschaftsbezeichnungen geklärt haben, andererseits die Verwandtschaftsbezeichnungen als geeigneten Ausschnitt des Wortschatzes herausgegriffen haben, um strukturelle Eigenschaften des Lexikons nachweisen zu können.
Das Projekt soll die Fragestellungen, die bis vor etwa dreissig Jahren in der Sprachgeschichtsforschung aktuell waren, wieder aufnehmen, jedoch an Daten richten, die aus dem heutigen gesellschaftlichen Umfeld stammen. Vor dem Hintergrund veränderter sozialer Bedeutung und Bewertung von Familien- und Verwandtschaftsstrukturen soll untersucht werden, wie verwandtschaftliche und pseudoverwandtschaftliche Sozialbeziehungen, die heute wegen sogenannter Folgefamilien nicht mehr ausschliesslich durch Bluts- und Heiratsverwandtschaft determiniert sind, sprachlich ausgedrückt werden. Gefragt wird ausserdem, wie sich veränderte Rollenmuster und zunehmende Individualisierung auf verwandtschaftliche nominale Anredeformen auswirken, durch welche die familiären Rollen der Angeredeten traditionellerweise symbolisiert werden. Das Ziel der geplanten Untersuchung besteht also darin, einerseits das in einer Sprechergemeinschaft vorhandene Inventar an Verwandtschaftstermini und die aktuelle semantische Struktur des Wortfeldes der Verwandtschaftsbezeichnungen zu erfassen und andererseits darin aufzudecken, welche Interdependenzen zwischen sozialen und sprachlichen Strukturen bestehen.
Die Untersuchung soll auf empirischem Material basieren, das zur Hauptsache mittels Fragebogen, aber auch über systematische Belegsammlungen erhoben wird. Die Auswahl der Testpersonen soll dabei gewährleisten, dass auch soziale Komponenten der Sprecherinnen und Sprecher in ihrer Relevanz bezüglich des Gebrauchs von Verwandtschaftsbezeichnungen und Anredeformen überprüft werden können.

 

Mitarbeitende

Prof. Dr. Helen Christen, Projektleiterin
Dr. Ingrid Hove
Roland Kehl
Nadine Ritzer
Helene Zenhäusern

Publikationen

Christen, Helen (2006): „Comutter“, „Papi“ und „Lebensabschnittsgefährte“. Untersuchungen zum Sprachgebrauch im Kontext heutiger Formen des Zusammenlebens. Mit einem Beitrag von Ingrid Hove. Hildesheim (=Germanistische Linguistik Monographien 20), 330 Seiten.

 

Christen, Helen (2003): Familiale Anredeformen und ihre (lebens-)zeitlichen Dimensionen. In: Häcki Buhofer, Annelies (Hg.): Spracherwerb und Lebensalter. Tübingen/Basel, 37-49.

 

Christen, Helen (2000): Von Mamme zu Mammi, von Babaa zu Papi - diachrone und diatopische Aspekte verwandtschaftlicher Anredeformen. In: Funk, Edith / König, Werner / Renn, Manfred (Hg.): Bausteine zur Sprachgeschichte. Heidelberg, 43-61.

 

Christen, Helen (2000): Der Liebhaber und die Geliebte: Geschlecht und Sprache im Bereich privater Lebensformen. In: Bulletin VALS/ASLA 72, 173-185.