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Germanistische Mediävistik


Cologny, Bibliotheca Bodmeriana, cod. 188, Frontispiz: Wilhelm von Conches, Dragmaticon (fr. 13. Jh.)

 

Wissen und Kompetenzen

 

Der Gegenstand dieses Studiengebiets ist die schriftliche Überlieferung in deutscher Sprache von ihren Anfängen im 9. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts. Sie umfasst alle Texte, also neben der Literatur im engeren Sinn solche, die auch andere wissenschaftliche Disziplinen interessieren (Chroniken und Urkunden, Briefe, Gebete, Viten und Traktate, Rechtstexte, Lehrbücher und Rezepte, Inschriften usw.). Hier liegt einer der Gründe für die interdisziplinäre Offenheit des Fachs seit seinen Anfängen im frühen 19. Jahrhundert, für die Weite seiner Themen, Fragestellungen und Methoden. In Freiburg ist die Germanistische Mediävistik daher Teil eines interdisziplinären Fächerverbunds, der im ‚Mediävistischen Institut‘ in Lehre und Forschung zusammenarbeitet.

Das Interesse des Studiengebiets gilt dem faszinierenden Prozess der Ausbildung von Phänomenen, die unsere Kultur bis heute prägen, etwa der Etablierung der volkssprachigen Schriftlichkeit im Rahmen einer Gesellschaft, die von mündlichem und visuellem Austausch, von zeichenhaften, rituellen und zeremoniellen Formen der Kommunikation bestimmt ist. Es gilt der Entstehung einer Laienkultur an den Fürstenhöfen, an denen Klerus und Adel, Gelehrte und Nicht-Lesekundige verkehren, einer Kultur, die — gebunden an Wort, Bild und Schrift — neben den geistlichen und gelehrten Traditionen immer weitere Kreise erreicht, bis hin zu den städtischen Führungsgruppen; einer Kultur, die bis zum Ende des Ancien Régime verbindlich bleibt. Das Interesse gilt der Entstehung fiktionaler Literatur, des Romans, der Liebeslyrik; es gilt den Spielarten eines reichen Wertediskurses, den Anfängen psychologischer Reflexion und Beschreibung, geistlicher Unterweisung und den Formen mystischer Spiritualität, dem geistlichen Drama und weltlichen Spiel, der Vermittlung von Wissen und Bildung, der Fixierung pragmatischen Fachwissens, der Ausbildung einer säkularen Geschichtsauffassung, der Wahrnehmung von Fremdem usw.; es gilt der Rezeption der Antike, ihrer Wissenstraditionen und ihrer Literatur, ihrer Aufhebung im christlichen Weltbild und ihrem Einfluss auf die Formen der Schriftlichkeit (Rhetorik und Poetik); und es gilt den vielfältigen Spiegelungen und Brechungen des schriftlich Tradierten in Formen der Bildlichkeit und des Gesprächs, der Konversation.

Wollen Sie mehr wissen? Lesen Sie weiter im Studienführer „Germanistische Mediävistik“, den sie im Sekretariat auch als Broschüre erhalten, oder melden Sie sich zu einer meiner Sprechstunden an: eckartconrad.lutz@unifr.ch – ich freue mich auf ein Gespräch.